Das Pferdegebiss: Wenn der Doktor ran muss!
Ganz gleich, ob stattliches Kaltblut, edler Araber oder kleines Pony … ein gesunder und ausgewachsener Pferdemann hat 40 Zähne, und zwar im Oberkiefer sechs Schneide-, zwei Eck- und zwölf Backenzähne. Im Unterkiefer ist die Zahnverteilung (im Gegensatz zu einigen anderen Tierarten) absolut identisch.
Da Stuten der (bei Pferden auch Hengstzahn genannte) Eckzahn meist fehlt, haben sie in der Regel vier weniger und “bringen” es insgesamt nur auf 36 Zähne!
Ursprünglich einmal bestand das Gebiss der Säugetiere aus 44 Zähnen, allerdings wurde die Zahnzahl bei den meisten Arten drastisch reduziert. 44 Zähne haben noch die Schweine, Menschen und Menschenaffen bekanntlich 32 und Katzen nur noch 30.
Typisch sind dagegen die vier verschiedenen Zahnformen (Tier- und Zahnärzte unterscheiden nämlich zudem zwischen vorderen und hinteren Backenzähnen!), weswegen man das Gebiss der Säugetiere als heterodont bezeichnet. Bei Fischen, Amphibien und Reptilien besitzen dagegen alle Zähne die gleiche, spitze und kegelförmige Gestalt (homodontes Gebiss). Dafür werden – ein nicht zu leugnender Vorteil -, verbrauchte Zähne ständig, das heißt vielmal, ersetzt (polyphyodontes Gebiss).
Bei den meisten Säugern folgen dagegen – wie bei uns Menschen auch – in einem Zahnwechsel zwei Generationen (diphyodontes Gebiß) aufeinander: Das Milchgebiss wird im Verlauf der ersten Lebensmonate oder -jahre durch ein Dauergebiss ersetzt.
Dabei können, wie bei uns Menschen auch, Probleme auftreten. Splitter der Milchzähne können sich irgendwo im Kiefer fest setzen oder Zähne des Dauergebisses schief stehen, so dass ggf. der Tierarzt nachhelfen muss.
Da Zahnverluste beim Zweitgebiss nicht mehr ersetzt werden, benötigt natürlich vor allem das Dauergebiss eine sorgfältige Pflege. Zahnstein etwa sollte regelmäßig sachkundig durch einen Fachmann entfernt werden.
Nach Auskunft des “Deutschen Grünen Kreuzes” (DGK) leiden zudem viele Pferde unter zu langen vorderen Schneidezähnen, “eine Folge der modernen Pferdehaltung, da die Abnutzung der Schneidezähne durch weiches Gras fast gänzlich ausbleibt!”
Verschlimmert wird diese Symptomatik laut DGK noch einmal bei jenen Tieren, die (fast) ausschließlich in Boxen gehalten werden. Denn hier wird alles Futter maul fertig serviert: “Ein Abbeißen ist überhaupt nicht mehr erforderlich!”
Die Folge: Die Backenzähne passen nicht länger aufeinander und können dann auch die Nahrung nicht mehr zermahlen. “Dadurch versucht das Pferd, mit erhöhtem Kraftaufwand seine Backenzähne aufeinander zu pressen!”
Zahnausfall und Appetitlosigkeit sind die Folge.
Bei der Behandlung dieser Symptome werden zu lange Schneidezähne abgeschliffen und der gesamte Kiefer ausbalanciert.
Wie so oft bei Eingriffen im Mundraum, muss das Tier dazu betäubt werden.
Auch durch Rangeleien mit Artgenossen kommt es immer wieder zu Teilabbrüchen und Zahnverlusten.
Einseitiges Kauen, größere Nahrungsmengen, die dem Pferd (wieder) aus dem Maul fallen sowie mäkeliges Fressen sind immer Alarmsignale.
Meidet das Tier plötzlich Äpfel, so könnte dies auch auf Probleme mit der Maulschleimhaut (und Schmerzen, aufgrund der Fruchtsäure) hindeuten.
Auch übermäßiger Mundgeruch kann durch entzündliche Prozesse im Maul verursacht werden.
Generell führen Zahnprobleme oft dazu, dass die Nahrung nicht mehr richtig zerkleinert wird, was dann weitere Probleme (bis hin zu Koliken) nach sich zieht!
Eine regelmäßige Kontrolle der Zähne (mindestens jährlich!) ist daher auch bei unseren Pferden Pflicht.
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