Rohrbruch auf der Dachterrasse – warum muss die Gebäudeversicherung nicht aufkommen?

Dachterrasse

Leitungswasserschäden sind mit die größten Kostenfaktoren in der Gebäudeversicherung. Alte Rohrleitungen, die nicht saniert sind, frostige Temperaturen und auch Unachtsamkeit:

Durch Leitungswasser kommt es so häufig zu Schäden, dass die Gebäudeversicherung regelmäßig die Beiträge anpassen muss, damit diese noch kostendeckend wirtschaften kann. Nicht jeder Leitungswasserschaden ist aber auch ein Fall für die Gebäudeversicherung. Das stellen wir mal anhand eines konkreten Schadensfalles dar:

Wasserrohre auf der Dachterrasse

Im Winter haben wir so richtig knackige Temperaturen draußen, die in außen liegenden Rohrleitungen das Wasser einfrieren lässt, wenn Sie diese nicht entleeren und abstellen. Schäden, die daraus entstehen, sind häufig ein Zankapfel zwischen Hauseigentümer und Gebäudeversicherung. Das zeigt ein Fall, den das Kammergericht Berlin im Jahr 2015 beurteilen musste. Auf einer Dachterrasse hat ein Hauseigentümer ein Rohrleitungssystem verlegt, um damit die dort stehenden Pflanzen zu versorgen. Das Rohrsystem befand sich dabei unterhalb der Holzdielen, die ein Begehen des Daches möglich machen. An einem rostigen Wintertag kam es, wie es kommen musste: Eine der Leitungen brach und verursachte auf der Dachterrasse sowie in den daruntergelegenen Gebäudeteilen einen massiven Wasserschaden. Der Hauseigentümer sann nun über seine Gebäudeversicherung und wollte den Schaden ersetzt bekommen.

Rohrleitung innerhalb oder außerhalb des Gebäudes?

Unzweifelhaft waren in der Gebäudeversicherung des Hauseigentümers Schäden durch Frosteinwirkung an Leitungswasserohren versichert. Allerdings gilt diese Klausel nur für Leitungen innerhalb eines Gebäudes. Das wollte der Hauseigentümer jedoch nicht einsehen und zog vor Gericht, da die Gebäudeversicherung die Übernahme des Schadens ablehnte. Die Begründung dafür ist eigentlich – auch aus Laiensicht – völlig einleuchtend: Das gebrochene Rohr befand sich außerhalb des Gebäudes. Dennoch schaffte der Geschädigte es, dank hervorragendem Rechtsbeistand, in die Berufung. Auch hier scheiterte der Kläger.

Gericht musste Unterschied zwischen drinnen und draußen klären

Zunächst sind die Richter davon ausgegangen, dass der Hauseigentümer in der Lage ist, im Schadensfall die Versicherungsbedingungen auch mit Laienverständnis zu interpretieren. Wenn dort eine Formulierung „innerhalb des Gebäudes“ genannt ist, dann betrifft das alles, was sich innerhalb der begrenzenden Außenwände befindet. Eine Dachterrasse gehört logischerweise nicht dazu, denn die liegt ja außerhalb des Gebäudes. Die auf dem Dach verlegten Rohrleitungen liegen damit auch außen – das ist eigentlich für jedermann ersichtlich. Allein der Umstand, dass diese unter Holzdielen verlegt wurden, trägt nicht dazu bei, dass die Leitungen nun innenliegend sind. Die Witterungseinflüsse auf die Leitungen sind ja nach wie vor noch gegeben, da die Dachterrasse im Winter ja nicht beheizt werden kann und damit die Rohre nicht vor dem Einfrieren geschützt sind.

Kein versicherter Bruchschaden

Nach Ansicht der Richter vor dem Berufungsgericht handelte es sich bei diesem Fall nicht um einen versicherten Bruchschaden, daher waren auch nicht die Kosten zur Auffindung der Leckage versichert. Einzig und allein die Handwerkerkosten, die darauf abzielten, die Feuchtigkeitsschäden im Inneren des Gebäudes zu beseitigen, erstattete der Versicherer. Der Ersatz der Leitungsrohre auf dem Dach ist ebenso wenig von der Gebäudeversicherung zu bezahlen wie auch die Pflanzen, die durch den Wassermangel eingegangen sind. Es wurden von der Gebäudeversicherung lediglich rund 750 Euro für die tatsächlich versicherten Schadenanteile erstattet. Dazu kam, dass der Kläger auch noch einen großen Teil seiner Gerichtskosten selber tragen muss.

Wie müssen Sie mit Ihren Rohrleitungen im Winter umgehen?

  1. Ausreichende Wärme im Haus beugt Frostschäden an Wasserleitungen vor.
  2. Die Frostschutzstellung am Heizkörper reicht nicht aus. Besser die Heizung auf Stufe 1 stellen, damit die Zuleitung nicht einfrieren kann.
  3. Ungenutzte Räume müssen Sie jetzt auch ausreichend beheizen, damit die Zuleitungen zur Heizung nicht einfrieren können.
  4. Eine konstant warme Raumtemperatur ist besser als das permanente Auf- und Abdrehen der Heizungsanlage.
  5. Wasserleitungen im Außenbereich entleeren und die Zuleitung absperren.

Das größte Problem für viele Hauseigentümer ist, dass sie teilweise noch alte Bedingungen zu ihrer Gebäudeversicherung vorliegen haben. Hier ist die grobe Fahrlässigkeit nämlich nicht versichert. Wer also grob fahrlässig dazu beiträgt, dass es zu einem Frostschaden kommt, der bleibt auf einem großen Teil des Schadens sitzen. Anders ist es, wenn grobe Fahrlässigkeit ein Bestandteil der Versicherungsbedingungen ist. Dann wird der Schaden – je nach Einzelfall – vollständig übernommen. Das bedeutet aber nicht, dass Sie sich nun bei der Kontrolle Ihrer Rohrleitungen zurücklehnen können. Den Ärger, der mit dem Schaden zusammenhängt, kann Ihnen die Gebäudeversicherung natürlich nicht nehmen. Nähere Informationen zur Gebäudeversicherung finden Sie auch unter: https://www.vergleichen-und-sparen.de/gebaeudeversicherung/

Ein  Hinweis noch zum Thema Rückstau

Eine Dachterrasse muss immer mit einem funktionstüchtigen Entwässerungssystem ausgestattet sein. Sonst kann Wasser aus beschädigten Rohren und auch bei Starkregenfällen nicht abfließen und, wie im geschilderten Fall, so zu einem Schaden an der Gebäudesubstanz führen. Nach einem Urteil des Kammergerichtes Berlin aus dem Jahr 2018 stellt eine solche Wasseransammlung auch keinen Rückstau im Sinne der Versicherungsbedingungen dar. Dazu müsste das Wasser nämlich aus einem Rohrleistungssystem austreten. Kann das Regenwasser aber gar nicht erst in das Rohrleitungssystem eines Hauses eintreten, handelt es sich dabei auch nicht um einen Rückstau. Daher unser Tipp an dieser Stelle: Halten Sie auf Ihrer Dachterrasse stets die Abläufe frei von Laub und Schmutz, damit diese ohne Probleme Regenwasser und Schmelzwasser aufnehmen können.

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