Wenn die Erbschaft nur aus Schulden besteht

Grabschmuck

In Deutschland vererben die Bürger jährlich rund 50 Milliarden Euro in den privaten Haushalten. Durchschnittlich beläuft sich die vererbte Summe auf etwa 45.000 Euro.

Ein finanzieller Segen für die Angehörigen. Allerdings kann das Erbe auch ein finanzieller Fluch sein, nämlich dann, wenn der Verstorbene nur Schulden hinterlässt. Das mag im ersten Moment für Aufregung sorgen, doch niemand kann gegen seinen Willen Schulden vererbt bekommen. Das ist vielen Bürgern auch bekannt, allerdings handeln sie im Todesfall falsch. Sie nehmen das Erbe einfach und bedenkenlos an, in der Auffassung, dass nur die Erbschaft angenommen wird. Dieser Trugschluss kann jedoch teuer werden.

Die Ausschlagung des Erbes muss gerichtlich oder notariell erfolgen

Sobald der Erbe von der Erbschaft erfahren hat, muss sie innerhalb von sechs Wochen ausgeschlagen werden. Diese Willenserklärung müssen Sie durch einen Notar oder durch das Nachlassgericht beurkunden lassen. Hatte der Erblasser seinen Lebensmittelpunkt im Ausland, so gilt eine Frist von sechs Monaten. Wer als Erbe diese Frist versäumt, tritt automatisch in die Rechtsnachfolge des Erblassers – mit allen Verpflichtungen. Dazu gehört auch die Übernahme der Schulden. Da aber vermieden werden soll, dass der Erbe nun mit seinem eigenen Vermögen für die Tilgung der Schulden herhalten muss, gibt es Wege, um sich rechtlich abzusichern. Es gibt also eine zweite Chance.

Was geschieht, wenn die vererbten Schulden nicht vorhersehbar waren?

Wenn Gläubiger vom Antritt des Erbes erfahren, werden sie sich naturgemäß an den Erben als Rechtsnachfolger des Schuldners wenden. Dabei gilt aber: Während der Dauer von drei Monaten müssen die Gläubiger die Füße stillhalten. Das ist eine gesetzliche Schonfrist. Schließlich muss der Erbe die Möglichkeit haben, seine eigene persönliche Haftung zu begrenzen oder gar gänzlich auszuschließen. Natürlich kommt es auch vor, dass die Angehörigen erst nach der Annahme des Erbes von Schulden erfahren, etwa, weil Gläubiger an sie herantreten oder die Auskünfte zu Vermögenswerten nur sehr schleppend zustande gekommen sind. Tauchen größere Schulden auf, so kann der Erbe innerhalb von sechs Wochen nach Bekanntwerden der Schulden erneut das Erbe ausschlagen.

Beim Amtsgericht eine Nachlassverwaltung beantragen

Es ist durchaus denkbar, dass nicht nur Schulden, sondern auch Vermögenswerte vererbt werden. In manchen Fällen jedoch reicht das Vermögen nicht aus, um die Verbindlichkeiten zu decken. Hier kann jeder Erbe beim zuständigen Amtsgericht eine Nachlassverwaltung beantragen. Diese wird von einem Rechtspfleger genehmigt und angeordnet. Damit verliert der Erbe zwar die Verfügung über das Erbe, im Gegenzug muss er sich aber nicht mehr mit den Forderungen der Gläubiger herumschlagen. Das wird nun durch den Nachlassverwalter erledigt. Er verteilt das Erbe entsprechend der Anteile der Forderungen. Wenn nach der Bereinigung noch Mittel übrig bleiben, bekommen die Erben diese ausbezahlt.

Das Nachlassinsolvenzverfahren

Natürlich kann es vorkommen, dass die Schulden höher sind als die vererbten Werte. In einem solchen Fall müssen Sie das Nachlassinsolvenzverfahren beantragen. So kann sichergestellt werden, dass der Erbe nicht mit seinem persönlichen Vermögen haftet. Allerdings Sie diese Nachlassinsolvenz schon beantragen, wenn Sie die Überschuldung nur vermuten. Für den Erben gilt: Er haftet nur noch beschränkt, also nur mit dem Vermögen, das sich aus der Erbschaft heraus ergibt. Das Verfahren kostet allerdings Zeit und Nerven. Daher ist es sinnvoll, so schnell wie möglich über den Erbschein notwendige Bankauskünfte einzuholen. Sinnvoll ist eine postmortale Bankvollmacht – sie beschleunigt das Verfahren zur Auskunftserteilung bei den Banken erheblich.

Die Sterbegeldversicherung gehört nicht zum Erbe

Hat der Erblasser zu Lebzeiten eine Sterbegeldversicherung abgeschlossen und jemanden namentlich als Empfänger der Versicherung bestimmt, so fällt diese nicht unter das Erbe (Quelle: https://www.vergleichen-und-sparen.de/sterbegeldversicherung/). Ebenso wenig fällt eine Sterbegeldversicherung unter das sogenannte Schonvermögen. Bei Altersarmut müssen Sie diese also nicht zum Bestreiten des Lebensunterhaltes kündingen, selbst wenn das so manches Sozialamt versucht durchzusetzen. Vorteil für die Hinterbliebenen ist: Müssen sie das Erbe wegen der Verschuldung des Erblassers ausschlagen, so bleibt immer noch die Sterbegeldversicherung, um eine würdevolle Bestattung auszurichten.

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