Zahlt die Hundehaftpflicht auch bei der Abwehr von freilaufenden Hunden?

Oha, da hat das Oberlandesgericht Koblenz in den vergangenen Tagen ein interessantes Urteil gefällt, was nicht unbedingt den Geschmack aller Hundefreunde trifft.

Zumindest sind davon die Hundehalter betroffen, die eher sorglos mit ihrem freilaufenden Hund umgehen und womöglich nicht einmal eine Hundehaftpflicht haben. Die Richter kamen nämlich zu dem Urteil, dass jedermann einen freilaufenden Hund abwehren darf. Kommt es dabei zu einem Unfall, kann der Hundehalter des freilaufenden Hundes unter Umständen dafür haften.

Wie kam es zu dem Streit zwischen zwei Hundefreunden?

Ein Jogger war mit seiner Hündin unterwegs. Seine Hündin war angeleint. In der näheren Umgebung befand sich auch noch ein Ehepaar mit einem Hund, der nicht angeleint war. Nach der örtlichen Gefahrenabwehrverordnung müssen dort Hunde an die Leine, sobald sich Personen nähern oder sichtbar sind. Das hatte das Ehepaar nicht berücksichtigt. Der Hund des Paares rannte zu dem Jogger und seiner Hündin. Er reagierte auch nicht mehr auf die Rufe seines Herrchens. Da der Jogger die Absicht des anderen Hundes nicht einzuschätzen vermochte, wollte er diesen mit einem Ast abwehren. Dabei rutsche er aus und zog sich eine Verletzung zu, die eine Operation zur Folge hatte.

Klage gegen den Hundehalter

Der Jogger, der sich bei dem Abwehrversuch verletzte, reichte eine Schadensersatzforderung gegen die Hundehalter ein. Das Ehepaar selber wehrte sich dagegen. Schließlich wäre der eigene Hund nicht aggressiv gewesen und hätte die Hündin des Joggers nur umtänzelt. Damit wäre auch keine Abwehrreaktion erforderlich gewesen. Da hier beide Parteien keine Einigung erzielen konnten, landete der Fall zunächst vor dem Landgericht Mainz.

Verstoß gegen die örtliche Gefahrenabwehrverordnung

Am Landgericht Mainz kamen die Richter nach Abwägen beider Argumentationen zu dem Schluss, dass der Hundehalter des freilaufenden Hundes vollständig für den Schaden haftet. Ob eine Hundehaftpflicht als finanzielle Absicherung im Hintergrund steht, ist nicht bekannt. Fakt ist, dass in Rheinland-Pfalz die Hundehaftpflicht nicht für alle Rassen eine Pflichtversicherung ist. Ausschlaggebend für die Richter war zunächst der Verstoß gegen die örtliche Gefahrenabwehrverordnung. Hunde müssen dort, wo sich der Zwischenfall ereignet hat, an die Leine, sobald andere Personen in Sichtweite sind.  Ansonsten besteht die Gefahr, dass freilaufende Hunde sich der Kontrolle ihres Herrchens oder Frauchens entziehen und auf Jogger, Radfahrer, Kinder oder Fußgänger losstürmen. Auch wenn das nicht aus der Verwirklichung des Jagdinstinktes passiert, sondern aus dem Spieltrieb heraus, kann das zu einer Angstsituation für andere Menschen führen.

Abwehrmaßnahmen gegen einen heranstürmenden Hund sind rechtens

Wenn auch jetzt so mancher Hundefreund aufheulen wird: Eine Abwehrreaktion gegen einen Hund, der sich stürmisch nähert und nicht mehr auf die Rufe seines Herrchens reagiert, ist also völlig legitim. Niemand muss abwägen, ob der Hund nur spielen will oder doch Aggressionen zeigt. Im Zuge dessen darf sich jeder auch mit einem Ast oder Stöcken verteidigen. Kommt es dabei tatsächlich zu einem Unfall, wie in dem obigen Fall, so muss der Hundehalter für die Folgen gerade stehen. Das Berufungsverfahren vor dem Oberlandesgericht Koblenz führte zu einer weiteren Niederlage des Ehepaares. Die Schadensersatzklage des Joggers war also berechtigt.

Verwirklichung der Tiergefahr: Ein Fall für die Hundehaftpflicht

Eigentlich muss es jedem Hundefreund klar sein: Wer einen Hund hält, der haftet auch uneingeschränkt für Schäden, die durch den Vierbeiner entstehen. Dabei muss der Hund nicht einmal aktiv einen Schaden verursacht haben. Selbst passive Schäden fallen unter die Haftung. Hintergrund: Bei Hunden zählt immer die Verwirklichung der Tiergefahr. Wird aus dem unberechenbaren Verhalten des Hundes für andere Personen subjektiv eine Bedrohung, so führt das bereits zu einer Haftung. (Quelle: https://www.vergleichen-und-sparen.de/hundeversicherung/hundehaftpflicht/)

Bestes Beispiel dafür: Ein Hund ist vor einem Geschäft angeleint. Eine Kundin möchte den Laden betreten, der Hund springt von seinem Platz auf, bellt und stürmt mit dem Stück Leine auf die Kundin zu. Diese erschreckt sich und stürzt. Bereits dadurch hat sich die Tiergefahr verwirklicht, ohne dass der Hund tatsächlich zugeschnappt oder die Kundin berührt hat. Die subjektiv empfundene Bedrohung gibt den Ausschlag. In solchen Fällen deckt die Hundehaftpflicht den entstandenen Schaden – wenn sie vorhanden ist.

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