Borreliose bei Pferden: Wenn die Gefahr im Gras lauert

Mit der Frühlingszeit beginnt die Weidezeit. Nun geht es nach dem Anweiden wieder regelmäßig nach draußen. Dort fühlen sich Pferde am wohlsten – schließlich sind sie es als Steppentiere gewohnt, sich frei zu bewegen.

So toll die Koppel und die Weide für unsere großen Lieblinge auch sind: Ihre Ankunft bleibt hier nicht lange unbemerkt. Mit dem Frühling beginnt auch die Zeckenzeit. Die kleinen lästigen Parasiten lauern im Gras und warten schier darauf, sich mal endlich wieder so richtig vollsaugen zu können. Dabei übertragen sie in vielen Fällen Viren und Bakterien. Was ist für Sie jetzt wichtig?

Wie kommen Zecken eigentlich auf das Pferd?

Zecken werden bei einer Temperatur von etwa 5 bis 6 Grad aktiv, sie sitzen im hohen Gras, an Waldrändern oder im Gebüsch und lauern dort auf ein Wirtstier. Über ihre Organe nehmen sie Duftstoffe wahr, die Menschen oder Tier absondern. In der Regel ist es Ammoniak beim Schweiß oder Kohlendioxid über die Atmung. Das ist jetzt der entscheidende Moment. Die Zecke lässt sich entweder auf den Wirt fallen oder wird bei Berührung von Gras oder Zweigen abgestreift. Bei Pferden kann es schon mal ein paar Stunden dauern, bis sie sich so richtig eingenistet haben. Die kleinen Plagegeister fühlen sich in Hautfalten am wohlsten und müssen diese erst einmal aufsuchen. Problem für die Zecke: Die ausgesuchte Haustelle muss dünn genug sein, um zuzustechen. Problem für das Pferd: Die Zecke sucht sich meistens einer Stelle aus, von wo aus sie durch Reiben nicht mal eben vertrieben werden kann.

Welche Krankheiten können Zecken übertragen?

Bei Pferden treten vor allem zwei Erkrankungen durch einen Zeckenbiss auf: Einmal die Anaplasmose und einmal die Lyme-Borreliose. Beim Erreger der Anaplasmose handelt es sich um einen Blutparasiten, der sich in den Blutbestandteilen einnistet und dadurch das Immunsystem des Pferdes stört. Die Borreliose tritt am häufigsten auf. Die Zecke überträgt Krankheitserreger auf das Pferd und innerhalb von 24 Stunden schütten sie die Erreger über den Darm des Pferdes auf das Wirtstier aus.

Bei der Borreliose bricht nicht zwangsläufig eine Erkrankung aus. Es erkranken bei einem Zeckenbiss nur ein Teil der betroffenen Pferde. Tierärzte haben noch keine Antwort darauf gefunden, warum sich ein Zeckenbiss bei Pferden höchst unterschiedlich auswirkt. Fakt ist, dass Tierärzte erst mit einer Laboruntersuchung einer Blutprobe die Borreliose-Erkrankung nachweisen können. Wirkt das Pferd abgeschlagen, zeigt Anzeichen von Lahmheit oder hat eine geringere Leistungsfähigkeit, können das auch Ursachen anderer Erkrankungen ein.

Wie kann die Borreliose bei Pferden behandelt werden?

Eine gründliche Untersuchung der Blutprobe ist notwendig, um eine zielsichere Behandlung des Pferdes vorzunehmen. In der Regel lässt sich die Borreliose sehr gut mit Antibiotika behandeln. Das Problem dabei ist aber: Einige der Antibiotika, die auf die Borreliose anschlagen, sind nicht zugelassen. Teilweise kann es zu Nebenwirkungen kommen. Bei einer antibiotischen Therapie kann es passieren, dass Pferde darauf mit einer Kolik reagieren. Daher ist die Therapie nicht ganz einfach, vor allem, wenn sie über einen Zeitraum von drei bis vier Wochen erfolgt. Daher darf die antibiotische Behandlung nur erfolgen, wenn tatsächlich die Borreliose nachgewiesen wird. Eine engmaschige Überwachung des Pferdes ist in den ersten sieben Tagen absolut notwendig. Verbessert sich der Gesundheitszustand, können Sie die Behandlung absetzen, allein schon, um Nebenwirkungen zu vermeiden.

Gibt es für Pferde eine Impfung gegen Borreliose?

Lange Zeit war die Impfung gegen Borreliose Hunden vorbehalten. Mittlerweile ist klar: Jedes Pferd kann auf der Weide oder bei einem Ausritt vom Zeckenbefall betroffen sein. Daher gibt es nun auch eine Impfmöglichkeit. Der Impfrhythmus muss allerdings peinlichst genau eingehalten werden, damit der Antikörperspiegel konstant hochgehalten wird. Das Pferd bekommt zwei Impfungen im Abstand von drei bis fünf Wochen. Zwei weitere Impfungen erfolgen dann im Abstand von ungefähr sechs Monaten, so dass nach einem Jahr die Prozedur wiederholt werden – allerdings ohne die anfänglichen Impfungen, die im kurzen Wochenabstand vorgenommen wurden.

Die Schutzwirkung der Impfung beginnt direkt im Körper der Zecke: Beim Blutsaugen gelangen die Antikörper in die Zecke. Dort wird die Borreliose gebunden und kann nicht auf das Pferd übertragen werden. Nebenwirkungen sind bisher keine bekannt, lediglich Reizungen im kleinen Umfang rund um die Impfstelle können auftreten.

Tipp: Impfungen und Behandlungen zur Borreliose werden von den Kosten her durch die Pferdekrankenversicherung getragen.

Gibt es noch andere Möglichkeiten, mein Pferd gegen Borreliose zu schützen?

Wichtig ist, das Pferd regelmäßig zu putzen und zu striegeln. Dabei fällt eine dicke und vollgesogene Zecke ohne weiteres auf. Entfernt wird sie wie beim Mensch oder Hunden mit der Zeckenzange. Zecken, die sich noch nicht auf der Haut festgesogen haben, können Sie beim Striegeln abwischen. Daher ist es wichtig, dass Pferd nach dem Weidegang oder Ausritt zu putzen, da der Erreger in den meisten Fällen erst nach 24 Stunden übertragen wird. Daneben hilft es, wen Sie auf der Koppel Buschwerk rundherum zurückschneiden. Ebenso müssen Sie nach einem Ausritt im Wald genau hinschauen, ob sich Ihr Pferd nicht einen dieser Plagegeister eingefangen hat. Sie müssen sich bewusst sein, dass eine einzige Zecke reicht, um eventuell die Borreliose auf Ihr Pferd zu übertragen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.